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KSTA: Böse Überraschungen im Aktenwust

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11
Jan
2016

 AUTOBAHNPLÄNE

Experte aus Hannover zweifelt Angaben von Straßen NRW an und warnt davor, die Deponie zu öffnen

Die Planung ist schon kompliziert. Ihre Beschreibung aber ist kaum zu überblicken. Selbst Experten müssen sich tagelang in die Unterlagen vertiefen um zu verstehen, wie Straßen NRW seine Idee umsetzen will, Leverkusen und den Kölner Stadtteil Merkenich mit einer neuen Rheinbrücke zu beglücken. Und als zwangsläufige Folge den Spaghettiknoten neu zu bauen. Die Verbindung zur A 59 steht komplett in der aufwendig abgeschotteten Deponie, in der Bayer über Jahrzehnte seinen Giftmüll und die Stadt ihren Abfall abgeladen hat. Was es bedeutet, diesen Sarkophag zu öffnen und elf Brücken dort hinein zu bauen, hat Straßen NRW in den dreizehn Aktenordnern dargelegt. Hier und da, manchmal widersprüchlich – und unterm Strich unzutreffend. Meint Helmut Hesse. Der Diplom-Ingenieur aus Hannover hat zunächst für große Baufirmen gearbeitet. Später wurde er bauwirtschaftlicher Berater und vereidigter Sachverständiger in seinem Metier. Auf Bitten der Bürgerliste und ihr nahestehender Bürgerinitiativen hat er die Unterlagen durchforstet, die Straßen NRW für das Planfeststellungsverfahren erstellt hat. Bis vorigen Dienstag konnte man die Akten in der Stadtverwaltung einsehen. Jetzt sind noch zwei Wochen Zeit, Einwendungen zu formulieren. So wird fundierte Kritik in diesem Prozedere genannt, das man am besten als Baugenehmigungsverfahren für Großprojekte beschreibt. Wie Stuttgart 21 Gibt es erst einmal den Planfeststellungsbeschluss – quasi die Baugenehmigung – „ist es zu spät“, betonte Hesse, als er am Freitag erste Erkenntnisse aus seinem tagelangen Aktenstudium vorstellte. Die Erfahrung zeige, „dass viele erst wach werden, wenn die Bagger rollen. Ich sage nur: Stuttgart 21.“ Hesse hat sein Augenmerk zunächst auf die Angaben zum Neubau des Spaghettiknotens gerichtet. Der Plan für den Eingriff in die für 100 Millionen „mumifizierte“ Giftmüll-Deponie beunruhigt ihn: Straßen NRW will die gefährliche Wundertüte nur leicht anstechen. In einer Tiefe von zwei Metern sollen die Pfähle aufgesetzt werden, auf denen die Autobahn ruht. Darunter kommen noch mal gut und gerne zehn Meter Müll und Erde. Das Gemisch wird nach allen Regeln der Kunst entwässert, die entstehenden Gase abgeleitet und im nahen Sondermüllofen verbrannt. „So eine Deponie setzt sich“, erklärte Hesse in Wiesdorf. Eine Gründung im oberen Bereich einer derart labilen Masse „widerspricht klar den Gesetzen der Physik“. Das hat man beim Bau des heutigen Knotens offenbar genauso gesehen. Die Pfähle sind ausweislich alter Baubeschreibungen in zehn bis 15 Meter Tiefe gegründet: unter der Deponie. Würde man so vorgehen, käme man auch zu ganz anderen Mengen an womöglich vergiftetem Erdreich, die unter Vollschutz weggebaggert und beseitigt werden müssten. In den Unterlagen von Straßen NRW sei einmal von 34 000, einmal von rund 87 000 Kubikmeter die Rede. Gefährlicher Aushub Hesse kommt bei einer größeren Gründungstiefe der Pfeiler und entsprechenden Böschungen auf andere Dimensionen: bis zu 1,2 Millionen Kubikmeter. Die störungsfrei auszuheben und abzutransportieren, sei schwierig. Passiere dabei etwas, „müssten im schlimmsten Fall ganze Stadtteile evakuiert werden“.

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RP: Planer wollen die nördliche A 1-Brücke

2 Kommentare
27
Jun
2014

200 Bürger verfolgten die Darlegungen der Planer für die neue A 1-Brücke.
Die Ingenieure ziehen zwar die nördliche Brückenvariante vor. Die Bürger wolle eher eine Tunnellösung. Die wäre im zweiten Teil der Erneuerung noch möglich.

VON SIEGFRIED GRASS
LEVERKUSEN Der Zustand der Leverkusener Rheinbrücke ist so marode, dass so schnell wie möglich ein Ersatz her muss. Gerade weil Eile geboten ist, sind viele Leverkusener Bürger besonders misstrauisch, dass ihnen da – Hals über Kopf – ein Jahrhundertbauwerk vor die Nase gesetzt wird, das ihnen dann auch über Generationen hinweg Probleme bereiten wird. Auch wenn die Autobahnplaner nach dem Abwägen verschiedener Varianten inzwischen eine Lösung mit dem Neubau einer Rheinbrücke bevorzugen, wollten einigen Zuhörer bei einer Informationsveranstaltung im Leverkusener Forum umso genauer wissen, warum ihre favorisierte große Tunnellösung, also für den gesamten Verlauf von Leverkusener Autobahnkreuz bis nach Köln-Merkenich, nicht genauer geprüft worden sei. Dabei befinden sich die Planer gleichwohl in einem Dilemma, wie Christoph Jansen, der das Projekt beim Landesbetrieb Straßenbau Nordrhein-Westfalen (Straßen.nrw) leitet, den rund 200 Zuhörer deutlich zu machen versuchte. Die Zwänge sind groß, weil die Trasse sich durch vorhandene Wohngebiete, der Altablagerung der Dhünnaue sowie den Betrieben von Bayer und Currenta schlängeln muss. Nicht zuletzt müssen auch Belange des Natur- und Landschaftsschutzes berücksichtigt werden. Und alles muss jetzt zügig voran gehen. Nach kurzer Vorstellung der Vor- und Nachteile von insgesamt acht Planungsvarianten – auch einer durchgehenden Tunnellösung – favorisiere man inzwischen eine nördliche Brückenvariante, erklärte Jansen. Dabei soll zunächst die Richtungsfahrbahn nach Köln nördlich neben der bestehenden Brücke gebaut werden. Dann macht die alte Brücke Platz für die Gegenfahrbahn. Letztlich wird die Autobahn auf acht Spuren erweitert und kann damit das für das Jahr 2025 prognostizierte Verkehrsaufkommen bewältigen. Die für die Leverkusener wohl wichtigste Aussage machte Jansen gleich vorweg: Die Planung für den ersten Abschnitt (Rheinbrücke mit Anbindung an die A 59) lässt eine Tunnellösung für den zweiten Teil der Erneuerungsarbeiten (weiterer Verlauf bis zum Leverkusener Kreuz) zu: „Die Planung für Bauabschnitt 1 beinhaltet keine Vorfestlegung auf eine Hoch- oder Tieflage für Bauabschnitt 2.“ Wie dringend notwendig ein Neubau der Leverkusener Autobahnbrücke ist, hatte zuvor Stahlbauexperte Michael Paschen deutlich gemacht: „Die Leverkusener Brücke ist die derzeit am besten überwachte in Deutschland.“ Täglich sind mehrere Ingenieure unterwegs, um jeden Schaden zu dokumentieren. Permanent wird geschweißt. Alle gängigen Prüfverfahren werden angewendet. Selbst bei Schiffsbauern habe man sich Rat geholt, was das Schweißen angeht. So hoffen die Experten, die Brücke „am Leben zu erhalten“ und womöglich auch in einigen Monaten wieder einen Lkw-Verkehr mit mehr als 3,5 Tonnen zuzulassen. Weil eine Sperrung einen enormen volkswirtschaftlichen Schaden bedeuten würde, könne man daher derzeit auch nicht auf die Kosten der laufenden Reparaturarbeiten Rücksicht nehmen.

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KSTA: Sperrung kostet Unternehmen täglich Tausende Euro

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17
Jun
2014

Wirtschaft klagt über Umwege und fordert bessere Infrastruktur

VON EVELYN BINDER , THOMAS KÄDING UND FRIEDEMANN SIERING

CHEMPARK LEVERKUSEN
Besorgt zeigte sich Chempark- Leiter Ernst Grigat über die erneute Sperrung der Leverkusener Autobahnbrücke. Mehr als 70 Unternehmen sind im Chempark angesiedelt, darunter auch Bayer. Die Brücke sei für die Versorgung nicht nur des Chempark Leverkusen „von zentraler Bedeutung“, auch für Dormagen sei die Blockade schlecht. Rund 500 Lkw aus den Chempark-Standorten Leverkusen, Dormagen und Krefeld- Uerdingen nutzten täglich die Leverkusener Autobahnbrücke. Er gehöre damit zu den Hauptnutzern der Brücke. Die Sperrung für schwere Lkw bedeute für die Unternehmen „ganz erhebliche Einschränkungen für den Transport“. Jetzt müssten sie wieder Umwege auf den schon stark belasteten Straßen im Köln-Düsseldorfer Raum machen. Das koste „einen mittleren fünfstelligen Betrag“ pro Tag, so Grigat. Sicherheit habe selbstverständlich Vorrang. „Daher sehen wir ein, dass die Brücke gesperrt werden muss, wenn der bauliche Zustand einen Lkw-Verkehr nicht mehr zulässt“, sagte er. Die neuerliche Sperrung der Brücke zeige, „dass wir es uns nicht leisten können, nicht in die Infrastruktur zu investieren“.

BAYER
Wie für den gesamten Chempark ergeben sich auch für Bayer durch die Sperrung erhebliche Einschränkungen, sagte ein Sprecher. Die Straße sei ein wesentlicher Transportweg für den Konzern.

REWE
„Die Sicherheit geht vor. Aber die Sperrung tut natürlich weh“, sagte Rewe-Sprecher Andreas Krämer. Der Kölner Handelskonzern unterhält im Kölner Norden ein Vollsortimentlager mit mehr als 110 000 Quadratmetern Fläche. Die Leverkusener Brücke sei eine ganz zentrale Brücke, viele Lastwagen müssten nun Umwege fahren, der logistische Aufwand nehme zu. Lieferengpässe müssten die Kölner aber nicht befürchten. Nach Insiderinformationen kostete die letzte Brückensperrung die Rewe West mehrere Hunderttausend Euro an zusätzlichen Spritkosten.

FORD
Bei den Ford-Werken gibt es „keine direkten Beeinträchtigungen der Produktion oder Ersatzteilversorgung durch die Sperrung“, sagt eines Sprecherin des Autoherstellers. Die Lkw müssten Umwege fahren, wie das bei der letzten Sperrung auch der Fall war. Dadurch würden sich dann wahrscheinlich das Verkehrsaufkommen und die Staus auf den Ausweichstrecken erhöhen. „Im Schnitt werden die einzelnen Bereiche bei Ford von 150 bis 200 Lastwagen pro Tag angefahren“, teilt das Unternehmen mit.

WACKER CHEMIE
Die Sperrung hat auch den Chemiekonzern Wacker überrascht. Die meisten Rohstoffe werden zwar per Schiff angeliefert, aber einzelne Rohstoffe und Hilfsstoffe kommen per Lastwagen. Diese müssten nun Umwege fahren, man erwarte Mehrkosten.

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