Newsletter:
 Suche:
Besuchen Sie uns:

Einige zu schnell, Zehntausende zu schwer

Keine Kommentare
23
Okt
2014

Die erhofften Einnahmen der Blitzer auf der Leverkusener Brücke bleiben aus. Die Stadt bekommt ihren Geldsegen trotzdem – durch Gewichtskontrollen. Etliche Lkws ignorieren die Gewichtsbeschränkung auf der Brücke von 3,5 Tonnen. Von Oliver Görtz

Köln.
Nicht im Stillen, sondern höchst öffentlichkeitswirksam wurden die Geschwindigkeitsmessstellen an der Autobahn 1 auf der maroden Leverkusener Brücke zu Beginn des Jahres in Betrieb genommen. Die Kölner Verwaltung rechnete seinerzeit – ebenfalls öffentlich – mit einem warmen Geldregen von 12,7 Millionen Euro an Bußgeld, das Temposünder allein in diesem Jahr zahlen. Nun ist klar: Die Schätzung war zu hoch gegriffen. Viel zu hoch. Gerade einmal 1,2 Millionen Euro, so die aktuelle Prognose des Ordnungsamts, kommen 2014 durch Geschwindigkeitsverstöße zusammen. Doch der avisierte Knöllchenschnitt wird voraussichtlich dennoch erreicht: Durch zehntausende Lkw-Fahrer, die bislang die Gewichtsbeschränkung auf der Brücke von 3,5 Tonnen ignorieren.

Probemessungen hochgerechnet

Im Februar ging die Tempo-Blitzanlage auf Anordnung der Bezirksregierung Köln in Betrieb, weil phasenweise bis zu 80 Prozent der Fahrer die zulässige Höchstgeschwindigkeit missachteten. Die Stadt Köln kontrolliert die Fahrtrichtung nach Osten, die Stadt Leverkusen die Gegenrichtung. Das Tempolimit wurde verhängt, weil an der Bausubstanz der Brücke schwere Schäden festgestellt wurden und sie deshalb kurz vor der Vollsperrung stand – was auf dem Kölner Autobahnring zu massiven Verkehrsproblemen geführt hätte, die sich bis in die Innenstadt ausgewirkt hätten. Durch die Geschwindigkeitsbegrenzung und durch ein striktes Verbot für Lastwagen über 3,5 Tonnen Gewicht soll das Bauwerk befahrbar bleiben, bis frühestens im Jahr 2023 ein Neubaus errichtet ist.

Bevor die Blitzanlage im Frühjahr in Betrieb ging, „hat man nur die vorherigen Probemessungen der Polizei hochgerechnet“, erklärt Heribert Büth vom Ordnungsamt (der in der Zeit, als die Schätzung vorgenommen wurde, noch nicht in dieser Dienststelle arbeitete). „Praktische Erfahrungen“ wie etwa, dass die Autofahrer sich auf die Starenkästen einstellen und entsprechend langsam fahren, seien offenbar seinerzeit nicht eingeflossen, so Büth. Doch genau das machen nun viele Autofahrer. Hinzu kommt, dass derzeit vor und hinter der Brücke viele Baustellen sind, durch die der Verkehr ohnehin oft nur zäh fließt. Die Fahrer können deshalb mitunter kaum die erlaubte Höchstgeschwindigkeit von 60 Kilometern pro Stunden überschreiten, weil ein zu dichtes Fahrzeugaufkommen herrscht.

Der damalige Ordnungsamtsleiter Robert Kilp hatte angesichts der erwarteten Geschwindigkeitsverstöße eine Sachbearbeiter-Kolonne nur für die Kölner Brückenblitzer angekündigt, die je nach Bußgeldaufkommen bis zu 74 Personen stark sein sollte. Nun jedoch beschäftigen sich lediglich 29 Frauen und Männer mit der Anlage – das sind vier weniger als bei der Inbetriebnahme. Immerhin: Die prognostizierten 1,2 Millionen Euro Bußgelder „reichen für das Personal“, sagt Büth.

Zahlreiche Gewichtsvergehen

Die Mindereinnahmen durch Temposünder werden aber durch zahlreiche Lkw-Fahrer ausgeglichen, die die geltende Gewichtsgrenze missachten. Diese Vergehen kommen zu den 1,2 Millionen Euro an Bußgeldern noch hinzu. Die Polizei dokumentiert diese Verstöße, später wird die Verwaltung sie bearbeiten und die fälligen Strafzahlungen einstreichen. Seit Ende Juni eine Anlage das Gewicht der Lkw misst, waren auf der Seite, für die die Stadt Köln zuständig ist, rund 40000 Laster zu schwer unterwegs, teilt die Polizei mit. In der Gegenrichtung wurden rund 32 000 Lkw mit Übergewicht. Auch wenn die Tendenz der Verstöße seit Einrichtung der auf Kölner Seite Messstelle „stark fallend“ sei, sind das im Durchschnitt um die 360 Lkw täglich. Wie viel Bußgeld das bedeute, könne derzeit noch nicht gesagt werden, erklärt die Polizei.

Zustand der Brücke

Nach Angaben des Landesbetriebs Straßenbau NRW ist der Zustand der Leverkusener Brücke nach wie vor kritisch, hat sich aber nicht weiter verschlechtert. „Wir haben keine neuen Risse festgestellt“, sagt Laurenz Braunisch, Pressesprecher von Straßen NRW.

Durch den starken Verkehr auf der Autobahn 1 sind an der mehr als 50 Jahre alten Rheinquerung massive Schäden an Tragwerkskonstruktion und Seilkammern entstanden. Eine Spezialfirma überwacht den Zustand permanent. Einem Bau-Gutachten zufolge ist eine Sanierung nicht mehr möglich. An selber Stelle soll deshalb ein Neubau entstehen, der frühestens im Jahr 2023 fertig ist.

Um das Bauwerk bis dahin vor weiteren Schäden zu schützen, ist es derzeit für Lkw über 3,5 Tonnen gesperrt, zudem gilt eine maximale Höchstgeschwindigkeit von 60 Kilometern pro Stunde. Aktuell sind in jeder Fahrtrichtung nur zwei von drei Spuren freigegeben. Täglich rollen mehr als 120000 Fahrzeuge über die Brücke, davon etwa 14000 Lastwagen.

Neuigkeiten:

RP: A1-Brücke: nur zwei Spuren in jede Richtung offen

Keine Kommentare
25
Jun
2014

LEVERKUSEN (LH) Montagmorgen gab’s zwischen Wermelskirchen und dem Kreuz Leverkusen auf der A1 15 Kilometer Stau. Nicht der Erste und sicher auch nicht der Letzte, der auf das Konto der Sperrung der Rheinbrücke für Fahrzeuge mit mehr als 3,5 Tonnen Gewicht geht. Auf der Brücke sind neue Schäden in Brückenlängsrichtung im Bereich Mittelstreifen aufgetreten. Dort ist die Brücke mit den Tragseilen der beiden Pylone verbunden. An den Verbindungsstellen besteht die Gefahr, dass die Schweißnähte durch Überlastung versagen (wir berichteten). Nun versucht die Autobahnbehörde Straßen.NRW durch eine neue Verkehrsführung auf beiden Fluss-Seiten vor und auf der Leverkusener Rheinbrücke den Verkehr etwas mehr zu ordnen: „In Kombination mit den entsprechenden Verbotsschildern will Straßen.NRW Fahrzeuge mit einem Gesamtgewicht von mehr als 3,5 Tonnen von der Rheinbrücke fernhalten, um diese vor Überlastung zu schützen“, fasst Straßen.NRW-Sprecher Laurenz Braunisch, erneut zusammen. Die Verkehrsführung im Einzelnen: Linksrheinisch werden die zu schweren Fahrzeuge an der Anschlussstelle Köln-Niehl, der letzten Ausfahrt vor der Rheinbrücke, Richtung Köln-Nord abgeleitet. Rechtsrheinisch müssen die zu schweren Fahrzeuge die A1 im Kreuz Leverkusen oder spätestens im Kreuz Leverkusen- West verlassen. Auch auf der Brücke selbst gibt es eine neue Verkehrsführung: Statt drei Fahrstreifen pro Richtung sind nun nur noch zwei befahrbar. „Der Mittelstreifen und die beiden angrenzenden Spuren werden für die Reparaturarbeiten benötigt“, meldet Braunisch. „Die Blitzer für die Tempokontrollen bleiben in Funktion.“

Neuigkeiten:

KSTA: Fünf Nadelöhre am Rhein

Keine Kommentare
18
Jun
2014

Fahrverbote für Lkw auf Brücken – Viele kleine Maßnahmen sollen helfen

VON FABIAN KLASK, MATTHIAS PESCH UND PETER SEIDEL

Düsseldorf/Köln. Wer in Debatten um den Standort Köln gerne die Rolle der Stadt als „Verkehrskreuz des Westens“ herausstreicht, der wird in den nächsten Monaten und Jahren in Argumentationsnot kommen. „Staukreuz des Westens“ – das scheint die Perspektive angesichts der Vielzahl von Baustellen und Verkehrsbeschränkungen, die für massive Probleme auf den Straßen Kölns und der Region sorgen werden. Die Leverkusener Brücke ist wegen neu entdeckter Schäden für Lastwagen ab 3,5 Tonnen gesperrt. Viele Lkw werden auf dem Weg in die Kölner Innenstadt oder in Industriegebiete wieder über die Mülheimer Brücke ausweichen – die aber selbst dringend sanierungsbedürftig ist und für die bereits eine Gewichtsbeschränkung von 30 Tonnen gilt. Gleichzeitig beginnt die Stadt mit der Sanierung des Stadtautobahntunnels in Kalk: 20 Monate lang stehen den Autofahrern dort nur zwei statt drei Spuren in jeder Richtung zur Verfügung, außerdem werden die Zufahrten von der A 3 auf die Stadtautobahn gesperrt. Autofahrer aus Richtung Norden werden daher in Mülheim abfahren – und möglicherweise die stark strapazierte Mülheimer Brücke weiter belasten. Der Kölner Autobahnring ist zu den Stoßzeiten ohnehin an seiner Kapazitätsgrenze. Eine Situation, die mit „kritisch“ vermutlich nur unzureichend beschrieben ist. Lässt sich das komplette Verkehrschaos in und um Köln vermeiden? „Es gibt keinen Königsweg“, sagt Roman Suthold vom ADAC. Die Strategie könne nur lauten: „Informieren, informieren, informieren.“ So empfiehlt der Landesbetrieb Straßen NRW allen Fahrern von Klein-Lastwagen und Lkw über 3,5 Tonnen auf großen Hinweistafeln, am Autobahnkreuz Köln-West und am Autobahnkreuz Leverkusen nicht über die Leverkusener Brücke, sondern den östlichen (A 3) beziehungsweise südlichen (A 4) Teil des Rings zu nutzen. Darüber hinaus ist laut Laurenz Braunisch vom Landesbetrieb bereits beschlossen, dass der eigentlich für kommende Woche geplante Beginn der Sanierung der Brücke der A 3 über die A 1 im Kreuz Leverkusen verschoben wird – auf unbestimmte Zeit. Man werde in der Zeit der Brücken- Sperrung so gut es geht auf neue Baustellen verzichten, sagt Bernd Löchter, Sprecher von Straßen NRW. Das gelte besonders für die A 3 und die A 57, die nun als Umleitungsstrecke für alle Lkw ausgewiesen ist, die über die Fleher Brücke auf der A 46 im Düsseldorfer Süden auf die andere Rheinseite wechseln. „Großbaustellen haben wir auf diesen Strecken zurzeit ohnehin nicht“, so Löchter. Und auch Tagesbaustellen will der Landesbetrieb lieber vermeiden. Offen ist, wie viele Lkw-Fahrer sich an das Brücken-Fahrverbot halten – zumindest bei der ersten Sperrung Anfang 2013 donnerten die Laster weiter reihenweise über das Bauwerk. Das Düsseldorfer Innenministerium verweist nun zur Abschreckung vor allem auf die Anfang des Jahres aufgestellten Blitzer, die von den Städten Köln und Leverkusen betrieben werden. Aus Leverkusen heißt es, die Geräte seien in der Lage, auch das Gewicht der Fahrzeuge zu messen. Es müssten aber noch Details geklärt werden. „Bis Anfang nächster Woche wollen wir Klarheit haben“, sagt der Kölner Ordnungsamtsleiter Robert Kilp. Wer trotz Fahrverbot auf der Brücke erwischt wird, muss ein Bußgeld von 75 Euro zahlen. Punkte gibt es nicht. Die Kölner Polizei überwacht nach Angaben eines Sprechers das Verbot, allerdings sei die Beschilderung noch nicht komplett, „und wir müssen uns erst einmal aufstellen“. Die Stadt Köln setzt bei ihrer Informationsstrategie auf ihren Verkehrskalender im Internet und das Portal mobil-im-rheinland.de, hat zudem zahlreiche Speditionen angeschrieben und sie auf die neuen Verkehrsführungen hingewiesen. Auf den Autobahnen rund um Köln soll auf die Beschränkungen, aber auch auf Alternativrouten hingewiesen werden: von der A 3 aus Richtung Norden über die Ausfahrt Mülheim und weiter über die Hauptverkehrsstraßen in die Innenstadt; aus Richtung Süden über den östlichen Zubringer nach Deutz. „Wir können nur die Möglichkeiten nutzen, die da sind“, sagt Klaus Harzendorf, Leiter des Kölner Amtes für Straßen und Verkehrstechnik. Welche Wege sich die Autofahrer tatsächlich suchen, wie sich die Verkehrsströme entwickeln – darüber wagt niemand eine exakte Prognose. Die Stadt rät den Autofahrern daher, auf öffentliche Verkehrsmittel umzusteigen: zum Beispiel in Leverkusen auf die S-Bahn (S6), oder im Südosten auf die S12 oder die S13. In Gesprächen mit der Deutschen Bahn und dem Verkehrsverbund Rhein-Sieg sei frühzeitig ausgelotet worden, ob etwa bei der RB 25 oder der S11 zusätzliche Kapazitäten geschaffen oder die Taktzeiten verkürzt werden könnten – ohne Erfolg. „Auf diesen Strecken geht nichts mehr“, so VRS-Sprecher Holger Klein. Zumindest zu Messezeiten ist nach den Worten Harzendorfs „angedacht“, den Verkehrsübungsplatz in Poll als Parkplatz zu öffnen und von dort Pendelbusse zur Messe einzusetzen. ADAC und der Verkehrsclub Deutschland (VCD) empfehlen den Autofahrern, Fahrgemeinschaften zu bilden. Weitere Großbaustellen im Rechtsrheinischen sind nach Angaben der Stadt in den nächsten Monaten nicht geplant: Allerdings stehen in den Sommerferien unter anderem Arbeiten in der Cäcilienstraße und auf der Neusser Straße an. Der Stadt bereitet vor allem die Mülheimer Brücke Sorgen. Nach der ersten Sperrung der Leverkusener Brücke hatte sich der Lkw- Verkehr auf der Mülheimer Brücke verdoppelt. „Das erwarten wir auch jetzt wieder“, sagt Harzendorf. Am Dienstag rollten im Schnitt drei Lastwagen pro Minute über die Brücke. Die Stadt werde Verkehrslage und Zustand des Bauwerks „intensiv beobachten“ und mit der Polizei besprechen, wie die Einhaltung der Verbote kontrolliert werden kann. Harzendorf appelliert an die Lkw-Fahrer, sich an die Beschränkungen zu halten – im äußersten Fall sei eine Sperrung nicht ausgeschlossen.

Neuigkeiten:
1234567