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Zukunftsperspektive Stau

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4
Feb
2015

Rund 15 Baustellen sollen den Kölner Autobahnring bis 2017 auf den Neubau der Leverkusener Brücke vorbereiten. Damit es irgendwann besser wird, müssen Autofahrer also noch einmal leiden. Antworten auf die wichtigsten Fragen Von Fabian Klask

Düsseldorf/Köln. Beim Blick auf die Baustellenkarte mit ihren vielen Kringeln und Pfeilen verlässt selbst den erfahrenen Ingenieur das Fachvokabular „Es wird kribbelig auf den Autobahnen“, formuliert Mario Korte eher salopp. Der Mann von Straßen.NRW nennt sich Baustellenkoordinator und wird bis 2017 einiges zu koordinieren haben: 15 größere Bauprojekte sind rund um den Kölner Autobahnring geplant. Das alles sei nötig, sagt Kortes Chef, Verkehrsminister Michael Groschek (SPD), um den Ring auf den Neubau der Leverkusener Brücke vorzubereiten. Oder anders: Damit es irgendwann besser wird, müssen die Autofahrer noch einmal leiden. Wir beantworten die wichtigsten Fragen zur Baustellenplanung des Landes.

Es ist schon seit einigen Jahren bekannt, dass die Leverkusener Rheinbrücke marode ist. Wann beginnen die Arbeiten am Ersatzbauwerk?

Verkehrsminister Michael Groschek hat am Dienstag noch einmal bekräftigt, dass es 2017 mit den Bauarbeiten losgehen soll. Schneller könne das neue Bauwerk nicht geplant werden, heißt es. Somit könnte die erste Brückenhälfte frühestens 2020 genutzt werden. Bis dahin wird der Verkehr weiter über die alte Brücke fließen. Erst 2023 sollen beide Hälften der neuen Rheinquerung fertig sein. Für NRW-Verkehrsminister Michael Groschek ist aber schon das Jahr 2017 eine wichtige Zielmarke. Dann sollen die meisten Großbaustellen von den Autobahnen rund um Köln verschwunden sein, um ein zusätzliches Verkehrschaos zu vermeiden, wie Groschek sagt.

Wie sehen die Planungen für die nächsten zwei Jahre aus?

Autofahrer müssen sich auf besonders viele Baustellen gefasst machen, die oft zeitgleich stattfinden werden. Um einen Großteil der Projekte bis 2017 abschließen zu können, will der Landesbetrieb Straßen.NRW einige Maßnahmen vorziehen. So sollen wichtige Autobahn-Knotenpunkte saniert und umgebaut werden – betroffen sind unter anderem das Heumarer Dreieck sowie die Kreuze Köln-Nord und Köln-West. Für die Planer ist vor allem das Verbindungsstück zwischen der A1 und der A4 von Bedeutung. Durch zusätzliche Rampen und Brücken soll es deutlich mehr Autos aufnehmen können, wenn der Verkehr von der Leverkusener auf die Rodenkirchener Brücke umgeleitet wird. Geplante Fertigstellung: Ende 2016. Bis dahin warnt Straßen.NRW vor zusätzlichen Staus.

Was muss abseits der Kreuze getan werden?

Eines der wichtigsten Projekte steht mit dem Ausbau der A3 zwischen Köln-Mülheim und Leverkusen bevor. Die Verbreiterung auf je vier Spuren soll noch im Frühjahr beginnen und bis 2017 andauern. Den Autofahrern steht zudem die Vollsperrung der A3 in jeweils eine Fahrtrichtung bevor, wenn 2017 die Asphaltdecke zwischen Köln-Ost und -Mülheim erneuert wird. Besonders „kribbelig“ wird es im kommenden Jahr. Dann wird an sieben Punkten gleichzeitig saniert und erweitert.

Wird bis 2017 wirklich alles fertig?

Das hoffen wohl nicht nur alle Autofahrer, sondern auch Verkehrsminister Groschek und seine Planer selbst. Weil man nun Arbeiten vorziehe, sei der Zeitplan „sehr ehrgeizig, sagt Mario Korte und ergänzt: Ein Puffer sei nicht eingebaut. Verzögerungen und Komplikationen sind also durchaus möglich. Eines räumt Straßen.NRW schon jetzt ein: Der Neubau von Fahrbahnquerungen im Kreuz Köln-Nord wird mindestens bis 2018 dauern. Die Opposition ist skeptisch: „Kommt es zu kleinsten Verzögerungen oder treten Schäden an anderer Stelle auf, droht dem Rheinland das absolute Verkehrschaos“, warnt FDP-Verkehrsexperte Christof Rasche.

Gibt es zudem noch Unsicherheiten?

Die altersschwache Brücke selbst ist das weiterhin das größte Risiko. Denn alle Pläne sind darauf ausgelegt, dass der brüchige Stahlkoloss bis 2020 hält, bevor die erste neue Brückenhälfte den Verkehr aufnehmen kann. Doch auch eine vorzeitige Sperrung will Groschek nicht ausschließen – aus seiner Sicht ein Katastrophenfall. Dass seine Leute das entsprechende Szenario schon einmal durchgespielt haben, beruhigt ihn nicht wirklich. Um zumindest einen Teil des Verkehrs aufzufangen (täglich rollen rund 120 000 Fahrzeuge über die Brücke) müsste man schon einen besonders dichten Fährverkehr einrichten. „Das würde einer Sperrung des Rheins gleichkommen“, sagt Groschek. Kurzum: Die schon oft verstärkte Brücke muss halten. Obwohl die Tage der gut 50 Jahre alten Stahlkonstruktion längst gezählt wird, verschlingt die Brücke weiterhin Millionen: Fürs Ausbessern und Stabilisieren zahlen Bund und Land rund zwölf Millionen Euro.

Die Wirtschaft klagt vor allem über das Lkw-Verbot auf der Leverkusener Brücke. Wird es bis 2020 bestehen bleiben?

Eine seriöse Prognose traut sich keiner zu. Am Dienstag gab es aber Anzeichen für ein Ende der Sperrung noch 2015. Laut Kölns Oberbürgermeister Jürgen Roters (SPD) gebe es Anlass zur Hoffnung, dass die Ausbesserungsarbeiten, die die Lebenszeit des Bauwerks verlängern sollen, Erfolg haben und die Brücke „Ende des Jahres wieder für Lkw befahrbar sein wird“. Michael Groschek wollte dem weder zustimmen noch widersprechen. Die Entscheidung müssten Brückenfachleute treffen.

Welche Auswirkungen haben die Probleme an der A1-Brücke auf die städtischen Rheinquerungen?

Kölns OB warnt vor „Lkw-Schleich-Verkehr“ durch Köln. „Der Weg eines Lkw von Bulgarien nach Rotterdam darf nicht durch die Innenstadt führen“, sagt Roters. Mit Innenminister Ralf Jäger will er darüber sprechen, wie sich der Transitverkehr aus Köln heraushalten lässt.

www.mobil-im-rheinland.de

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Probleme lösen, statt zu klagen

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4
Feb
2015

Mit dem Baustellenkonzept für den Kölner Autobahnring hat der Brückenneubau eine heiße Phase erreicht. Nun wird Groschek vom Kommentator zum Handelnden, der sich an dem messen lassen muss, was seine Planer und Ingenieure leisten können. Ein Kommentar von Fabian Klask

Wenn es um die bröckelnde Leverkusener Rheinbrücke geht, wird NRW-Verkehrsminister Michael Groschek gerne deutlich: Mit dem Neubau der Brücke stehe NRW eine der „größten Herausforderungen“ bevor, die die Straßenbauer des Landes in den letzten Jahren erlebt hätten, sagte er am Dienstag. Mit seinem gezielt eingesetzten Asphalt-Alarmismus verfolgt der frühere SPD-Generalsekretär – bisher sehr erfolgreich – zwei Ziele: Mit jeder öffentlichen Warnung vor maroden Straßen, altersschwachen Brücken und überfüllten Zügen will der Polit-Profi einen größtmöglichen Druck auf die große Koalition entfalten.

Denn über zusätzliches Geld für nordrhein-westfälische Autobahnen wird vor allem in Berlin entschieden. Groschek hofft, so weitere Millionen nach NRW lenken zu können. Zum Zweiten hat es der Minister auf diese Weise geschafft, die Empörung und den Ärger von Autofahrern und Wirtschaft über die marode Infrastruktur zumindest in Teilen direkt an den Bund weiterzureichen. Er hat sich einfach an die Spitze der Empörungsbewegung gesetzt, damit er selbst nicht zum Ziel wird. Mit dieser Strategie und einer sehr offenen Kommunikation zum Problemfall Rheinbrücke ist der Oberhausener bisher gut gefahren.

Jetzt aber beginnt so etwas wie die Stufe zwei in der Amtszeit des Verkehrsministers: Mit dem Baustellenkonzept für den Kölner Autobahnring haben die Vorbereitungen für den Brückenneubau eine heiße Phase erreicht. Nun wird Groschek vom Kommentator zum Handelnden, der sich an dem messen lassen muss, was seine Planer und Ingenieure leisten können. Die Geldbeschaffung für die vielen Baustellen mag zwar eine Bundesangelegenheit sein, die Planung und das Management aber sind Sache des NRW-Verkehrsministers. Groschek hat Probleme bisher offen angesprochen, er muss nun zeigen, dass er Entscheidendes zu ihrer Lösung beitragen kann.

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Europas größte Autobahnbaustelle

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4
Feb
2015

Köln/Leverkusen. Für zwei Milliarden Euro wird rund um Köln und Leverkusen bis 2023 saniert und neugebaut. Das Schreckensszenario wäre die Vollsperrung der Rheinbrücke. Denn es gibt keinen Plan B. Von Christian Schwerdtfeger

Michael Groschek ist bekannt dafür, Klartext zu reden, nicht “rumzueiern”, wie er das selbst nennt. Auch zu den anstehenden Großbaustellen auf den Autobahnen rund um Köln inklusive des Neubaus der maroden Rheinbrücke findet der NRW-Bauminister deutliche Worte: “Wenn die Brücke ausfällt, ist nicht nur Holland in Not.” Die Folgen wären nicht mehr zu managen. Dann könne nur noch versucht werden, das allergrößte Elend irgendwie zu vermeiden. “Wir haben ein Jahrzehnt der Reparaturen vor der Brust”, kündigte Groschek an.

Eine Sperrung der Leverkusener Rheinbrücke ist das absolute Schreckensszenario der Verkehrsplaner. Würde dieser Fall eintreten, wäre das gesamte Konzept für die neuen Großbaustellen rund um Köln gefährdet. “Das darf nicht passieren. Wir haben keinen Plan B. Die Planungen basieren darauf, dass die Brücke hält”, erklärte Groschek. Doch auszuschließen sei eine Sperrung nicht.

“Das Bauwerk kann leider jederzeit instabil werden”, so der Minister. Für den Ernstfall stünden sogar Nato-Rampen bereit, über die der Verkehr dann theoretisch notdürftig über den Rhein geleitet werden könnte.

Derzeit ist die marode A1-Brücke dreispurig befahrbar. Für Lastwagen ab 3,5 Tonnen ist sie gesperrt. Mindestens bis zum Neubau der Brücke im Jahr 2017 muss die alte Überquerung irgendwie halten. Allein die Instandhaltungskosten belaufen sich auf rund 15 Millionen Euro. Die neue Brücke kostet 250 Millionen Euro. Um das Chaos auf den Straßen möglichst gering zu halten, sollen bis dahin viele andere Autobahnbaustellen im gesamten Raum Köln-Leverkusen vorgezogen werden. Das heißt jedoch, dass der Bereich in den nächsten Jahren zum größten Nadelöhr Deutschlands wird.

Gleich 15 Großbaustellen wird es am Kölner Autobahnring, der zu den größten Verkehrsdrehscheiben Europas zählt, geben – zum Teil bis zu sieben gleichzeitig. Bis 2023 werden unter anderem Autobahnteilstücke mehrspurig ausgebaut, der Lärmschutz für Anwohner verbessert, Fahrbahnbeläge vollständig erneuert, Autobahnkreuze vergrößert und Brücken verstärkt. Betroffen sind unter anderem die Autobahnkreuze Köln-Nord (A 1) und Köln-West (A 1/A 4) sowie das Autobahndreieck Heumar (A3/A 4/A 59). Die Gesamtmaßnahme kostet rund zwei Milliarden Euro und wird aus Bundesmitteln finanziert. Nur für die Planungen muss das Land aufkommen.

Zusätzlich verschärft wird die Verkehrslage durch innerstädtische Sanierungsarbeiten in Köln – unter anderem werden bald die Mülheimer Rheinbrücke und der Herkulestunnel am Ende der A 57 grundlegend erneuert. Kölns Oberbürgermeister Jürgen Roters (SPD), der einen Verkehrskollaps befürchtet, fordert die Landesregierung deshalb auf, alles zu tun, damit der Transitverkehr nicht auf innerstädtische Straßen ausweicht. “Die Lkw dürfen auf dem Weg von Bulgarien nach Rotterdam nicht quer durch unsere Stadt rollen”, so Roters. Er wünscht sich, dass die Umleitungsempfehlungen noch weiträumiger als bisher ausgeschildert werden. Außerdem hofft Roters, dass die A 1-Brücke noch in diesem Jahr für den Lkw-Verkehr befahrbar sein wird. Doch Experten halten das für wenig wahrscheinlich.

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